Eine grüne Oase mitten in Cottbus – warum bleibt sie verschlossen?

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/SUB stellt Prüfantrag zur Öffnung der ehemaligen „Barackenstadt“ als öffentlicher Park

Mitten in der südlichen Innenstadt von Cottbus/Chóśebuz liegt ein grünes Areal, das vielen Bürger*innen noch als ehemalige „Barackenstadt“ bekannt ist. Zwischen Straße der Jugend, Blechenstraße und Taubenstraße haben sich über Jahrzehnte mächtige Bäume und ein parkähnlicher Naturraum erhalten. Doch das Gelände ist bis heute für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Das möchten wir ändern. Mit einem Prüfantrag an die Stadtverordnetenversammlung setzen wir uns dafür ein, die Möglichkeiten einer Öffnung und Herrichtung des Areals als öffentlichen Park zu untersuchen – mit möglichst geringem finanziellen Aufwand für die Stadt.

Ein historischer Ort mit besonderem Baumbestand

Die Geschichte des Geländes reicht weit zurück. Seit 1835 wurde die Fläche als Friedhof genutzt. Noch heute zeugt die in weiten Teilen erhaltene Friedhofsmauer von dieser ursprünglichen Nutzung. Bereits im 19. Jahrhundert wurde der Bestattungsplatz aufgegeben und die ehemalige Friedhofskapelle zur Gedenkhalle umgewandelt.

Zu DDR-Zeiten entstanden auf dem Gelände langgestreckte hölzerne Flachbauten, in denen verschiedene Verwaltungseinrichtungen untergebracht waren. Daher stammt auch die Bezeichnung „Barackenstadt“, unter der viele Cottbuser*innen das Areal bis heute kennen.

Nach 1990/91 wurden die Gebäude abgerissen und das Gelände aus Sicherheitsgründen abgesperrt.

Die Natur hat sich seitdem große Teile der Fläche zurückerobert. Historische Allee-Achsen, unterschiedliche Baumarten und ein wertvoller Strauchbestand prägen das Gelände. Einige der alten Bäume, darunter etwa hundertjährige Eichen, stehen sogar als Naturdenkmale unter Schutz.

Mehr Grün und Schatten für die südliche Innenstadt

Gerade die südliche Innenstadt ist durch einen hohen Versiegelungsgrad geprägt. Asphalt, Beton und dicht bebaute Straßenzüge speichern im Sommer Wärme und tragen zur zunehmenden Hitzebelastung bei.

Unser Stadtverordneter Felix Kotzur macht auf die Folgen aufmerksam:

„In heißen Sommern führt das zu starken Hitzeentwicklungen in den Straßen und schließlich den Wohnungen. Mit der absehbaren Bebauung der Fläche des alten Busbahnhofs wird die bebaute Fläche im Quartier nicht weniger. Die Menschen, insbesondere ältere, wünschen sich deshalb kühle Orte in ihrer unmittelbaren Umgebung.“

Mit der geplanten Bebauung des ehemaligen Busbahnhofgeländes wird perspektivisch auch die Zahl der Menschen steigen, die in diesem Quartier leben. Damit wächst der Bedarf an wohnortnahen Grünflächen, Begegnungsorten und Möglichkeiten zur Erholung.

Die ehemalige Barackenstadt könnte einen wichtigen Beitrag leisten, diesen Bedarf zu decken.

Die vorhandenen Bäume bieten bereits heute Schatten und können dazu beitragen, die Auswirkungen sommerlicher Hitze abzumildern. Statt eine neue Grünanlage aufwendig anzulegen, könnte ein bereits bestehender Naturraum für die Menschen erschlossen werden.

Was soll die Stadt konkret prüfen?

Unser Antrag sieht ausdrücklich keine kostenintensive Neugestaltung vor. Vielmehr soll die Verwaltung untersuchen, wie das vorhandene Areal unter Berücksichtigung der gesetzlichen Anforderungen und der Verkehrssicherheit möglichst unkompliziert zugänglich gemacht werden kann.

Dabei stehen vier Fragen im Mittelpunkt:

  1. Zugängliche Fläche: Kann das gesamte Gelände geöffnet werden oder ist aus Gründen der Verkehrssicherheit zunächst nur eine Teilfläche geeignet?
  2. Kosten: Welche Ausgaben entstehen für Erschließung, Herrichtung und anschließende Grünpflege?
  3. Öffnungszeiten: Ist eine dauerhafte Öffnung möglich oder wäre eine saisonale Nutzung sinnvoller?
  4. Umsetzung: Welche Schritte wären notwendig, um eine Öffnung möglichst bereits im zweiten Quartal 2027 zu erreichen?

Die Prüfung soll verschiedene Möglichkeiten aufzeigen und insbesondere den kommunalen Aufwand so gering wie möglich halten.

Eine Chance für Stadtentwicklung und Klimaanpassung

Die Öffnung der ehemaligen Barackenstadt wäre weit mehr als die Erschließung einer zusätzlichen Grünfläche.

Sie könnte einen bislang ungenutzten Ort in einen öffentlich zugänglichen Raum für Erholung und Begegnung verwandeln, die Aufenthaltsqualität in der südlichen Innenstadt verbessern und zugleich einen Beitrag zur Anpassung unserer Stadt an zunehmende sommerliche Hitze leisten.

Wir wollen vorhandene Potenziale nutzen, statt wertvolle Grünräume hinter verschlossenen Toren zu belassen.

Unser Ziel ist ein möglichst naturnaher, öffentlich zugänglicher Park, der den Menschen im Quartier zugutekommt und den besonderen Charakter dieses historischen Ortes bewahrt.

Mit unserem Prüfantrag wollen wir den ersten Schritt dafür auf den Weg bringen.

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