Allgemein
Der Entwurf zum Nahverkehrsplan für die Stadt Cottbus/Chóśebuz 2026-30 wird von der Fraktion generell als zukunftsweisend wahrgenommen. Mehr Menschen nutzen Cottbusverkehr (Zunahme um 26% ggü. 2018, vgl. S.41).
Daraus ergibt sich ein Mehrbedarf, der im Dogmawechsel von angebotsorientierter Planung (statt Bedarf) festgeschrieben ist. Dabei wird die Erhöhung des Umweltverbunds (zu Fuß, Rad, ÖPNV) auf 60% in Anlehnung an das Mobilitätsgesetz des Landes Brandenburg begrüßt. Ebenfalls begrüßt werden:
– die Betrachtung verschiedener Faktoren für ÖPNV-Planung (Einwohner*innen, Schüler*innen, Studierende, Ausbildungs- und Arbeitsplätze, Wohnquartiere)
– das Bekenntnis zum VBB und Deutschlandticket sowie
– Sorbisch als Sprache stärker einzupflegen.
Darüber hinaus wird die Stadt aufgefordert, mit Nachdruck Ausgleichszahlungen durch wegfallende Einnahmen in Zuge des Deutschlandtickets zu erhalten. Außerdem wird Nachdruck gefordert, um Erhöhung und Ausbau der PlusBus-Förderung beim Land zu erreichen (statt Streichung).
Allgemein freut sich die Fraktion auf regen Austausch und gemeinsame Überlegungen zur Mobilitätswende.
Verbesserungsvorschläge und Forderungen
Mit Verbesserung und Ausbau der Taktung ist nach der NVP-Vorlage zu rechnen, dies muss auch finanziert werden.
Eine Möglichkeit besteht in der ÖPNV-Beschleunigung, insbesondere durch die sogenannte Vorrangschaltung. Hier gab es in den vergangenen Jahrzehnten kaum Verbesserungen, die „Stehzeiten“ von Bus und Tram an Ampeln sind inakzeptabel. Über das Smart City Modell wird seitens der Stadt mit geringen Zeitersparnissen auf der Tram Linie 4 gerechnet. Mehrere Untersuchungen des VCD, Kreisgruppe Cottbus haben jedoch gezeigt, dass durch konsequente Vorrangschaltungen teilweise mehr als 10 Minuten pro Umlauf Sparpotenzial möglich wären und damit eine Taktverdichtung herbeigeführt werden kann. Die Fraktion fordert ÖPNV-Beschleunigungen auf allen Bus- und Tramlinien.
Die Festschreibung von Mindestbedienstandards ist zu begrüßen, allerdings darf es keine Ausnahmen geben, die Reduzierungen zulassen (vgl. S.73)!
Beim Thema Barrierefreiheit gibt das Erreichte kaum Hoffnung: 16% Tram-Haltestellen und 7% der Bussteige sind barrierefrei gewährleistet (vgl. S.62). Das ist zu wenig und kann keinem Rolli erklärt werden (bzw. mobilitätseingeschränkte Menschen). Eine konsequente Umrüstung ist dringend erforderlich und ist keine Kann-Bestimmung.
In der Kommunikation sollten Verbesserungen herbeigeführt werden. Innerhalb des Betriebes sollten Apps per Handy o.ä. geprüft werden, sodass Fahrer*innen direkt miteinander kommunizieren können und kurzfristig bei Verzögerungen Anschlusssicherungen gewährleisten, z.B. Tram Linie 2 und 3 an der Haltestelle Stadthalle/Post (vgl. S.82). Auch in der Kommunikation zwischen Cottbusverkehr und der Stadtverwaltung wäre eine engere Kommunikation wünschenswert, um auf akute und mittelfristige Herausforderungen schneller reagieren zu können.
Da die Busflotte CO2 reduzieren muss, wird auf sogenannte Wasserstoffbusse gesetzt. Diese Technologie ist fragwürdig und findet kaum Anklang im bundesdeutschen Vergleich. Prüfungen anderer Technologien bei Cottbusverkehr, wie üblicherweise sogenannte batteriebetriebene Busse, fanden anscheinend nicht statt und sollten dringend anvisiert werden (vgl. S.88).
Konkretes
Die Haltestelle Madlow wurde kostenintensiv zum Mobilitätshub umgebaut. Hier muss die wichtige Plusbuslinie 800 auch halten.
Gefordert wird auf allen Tram Linien einen 10min-Takt in der Hauptverkehrszeit einzurichten.
Multimodularität: Umstiege zwischen den Verkehrsmitteln beachten, insbesondere zum Bahn- Regionalverkehr, um Pendler*innen und Menschen auf Ausflügen gut abzuholen und schnell und sicher zum Ziel zu bringen.
Anbindung der MUL-CT mit der Straßenbahn fehlt in den Darstellungen (vgl. S.68), diese ist essentiell für den Strukturwandel und eine gute Anbindung an eines der größten Strukturwandelprojekte.
Eine Neuauflage von On-Demand-Angeboten als Projekt kann gewagt werden (vgl. Einstellung von cloudio).