„Das ist keine Zukunftsmusik. Das ist der nächste Sommer.“

Kundgebung zum Klimaschutzkonzept: Unsere Fraktion fordert endlich einen politischen Beschluss für Cottbus

Am 20. Oktober 2026 waren wir als Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/SUB bei der Kundgebung zum integrierten Klimaschutzkonzept in Cottbus/Chóśebuz. Gemeinsam mit engagierten Bürger*innen haben wir uns dafür eingesetzt, dass die Stadtverordnetenversammlung endlich den politischen Rückhalt für eine zukunftsfähige Klimapolitik schafft.

Unser Fraktionsvorsitzender Christian Schömberg und unsere Sachkundige Stefanie De Graf, die uns im Ausschuss für Umwelt, Ordnung und Sicherheit vertritt, machten in ihren Redebeiträgen deutlich, warum weiteres Zögern keine Option ist.

Seit Jahren erarbeitet – aber noch immer nicht beschlossen

Seit 2019 arbeitet die Stadt Cottbus an ihrem integrierten Klimaschutzkonzept. Im April 2025 lag das Ergebnis vor: sechs Bausteine und 30 Maßnahmen, die den Weg zu einer klimafreundlicheren Stadt aufzeigen sollen.

Zahlreiche Menschen, Fachbereiche und Institutionen haben an der Erarbeitung mitgewirkt – auch unsere Fraktion. Erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen sind in das Konzept geflossen.

Doch im November 2025 kam der notwendige politische Beschluss nicht zustande. Nun steht erneut im Raum, das Konzept lediglich zur Kenntnis zu nehmen.

Für uns ist das nicht ausreichend.

Denn das Konzept beschreibt selbst, dass Cottbus mit der bisherigen Entwicklung seine Klimaschutzziele nicht erreichen wird. Ab 2040 droht die Stadt die Ziele des Klimaschutzgesetzes zu verfehlen.

Und das Konzept warnt ausdrücklich:

„Stillstandszeiten kann sich die Stadt keinesfalls leisten.“

Das Wissen ist da. Es fehlt der Beschluss.

Zu Beginn seiner Rede verwies Christian Schömberg auf das Buch Earth for All, einen Bericht an den Club of Rome. Es beschreibt zwei mögliche Entwicklungen: „Zu wenig, zu spät“ – wenn notwendige Veränderungen immer weiter verschoben werden – oder einen großen gesellschaftlichen Sprung, mit dem sich die schlimmsten Folgen noch verhindern lassen.

Für Schömberg ist die Konsequenz klar: Was wir heute an Klimaschutz aufschieben, wird uns später bei der Anpassung an veränderte Umweltbedingungen umso mehr kosten.

Dabei verfügt Cottbus längst über wissenschaftliche Kompetenz. Forschungseinrichtungen beschäftigen sich hier mit Nachhaltigkeit, erneuerbaren Energien und den Herausforderungen des Strukturwandels.

Die Stadt will wachsen, neue Unternehmen und Fachkräfte gewinnen und sich als moderner Wissenschaftsstandort etablieren.

Doch wissenschaftliche Erkenntnisse allein reichen nicht.

„Das Wissen ist da. Wir wollen Boom Town sein, wir wollen den Strukturwandel schaffen. Institute haben sich bei uns angesiedelt und forschen an Nachhaltigkeit und erneuerbaren Energien. Es fehlt nicht an Forschung. Es fehlt der Beschluss.“

– Christian Schömberg, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen/SUB

Gerade der Strukturwandel bietet Cottbus die Chance, zum Vorreiter für nachhaltige Stadtentwicklung zu werden. Wirtschaftlicher Aufbruch, Klimaschutz und Lebensqualität müssen keine Gegensätze sein. Im Gegenteil: Cottbus könnte zeigen, wie sich diese Ziele miteinander verbinden lassen.

Ein Beschluss stärkt auch die Stadtverwaltung

Ein weiterer zentraler Punkt der Rede war die Bedeutung eines beschlossenen Klimaschutzkonzepts für die tägliche Arbeit der Stadtverwaltung.

Das Konzept selbst fordert einen breiten Rückhalt in Stadtpolitik und Verwaltung. Gerade bei Bebauungsplänen und Verhandlungen mit Bauträgern braucht die Verwaltung klare politische Leitlinien.

Ein beschlossenes Konzept könnte diesen Rückhalt schaffen.

Wer sich dagegen entscheidet, schwächt aus unserer Sicht die eigene Verwaltung bei der Umsetzung einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

Dabei wird in der politischen Debatte häufig ein entscheidender Unterschied übersehen:

Mit dem Beschluss eines Klimaschutzkonzepts wird nicht automatisch jede einzelne Maßnahme umgesetzt oder finanziert.

Es geht zunächst um Handlungsempfehlungen und einen gemeinsamen politischen Rahmen. Über konkrete Maßnahmen, deren Ausgestaltung und Finanzierung muss weiterhin einzeln entschieden werden.

Ein solcher Rahmen schafft Orientierung, ohne die demokratische Debatte über einzelne Vorhaben vorwegzunehmen.

„Das ist keine Zukunftsmusik. Das ist der nächste Sommer.“

Christian Schömberg sprach auch aus seiner beruflichen Perspektive als Architekt über die Herausforderungen, vor denen unsere Stadt steht.

Wie wollen wir künftig bauen? Welche Baustoffe verwenden wir? Wie viel Energie steckt bereits in der Herstellung und im Transport unserer Baumaterialien? Und wann ist der Umbau vorhandener Gebäude sinnvoller als ein Abriss?

Für solche Entscheidungen braucht eine Stadt langfristige Leitlinien.

Doch Klimaschutz allein reicht nicht mehr. Ebenso dringend ist die Anpassung an die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels.

Das integrierte Klimaschutzkonzept empfiehlt deshalb selbst die Erarbeitung eines eigenständigen Klimaanpassungskonzepts.

Die Herausforderungen sind in Cottbus längst sichtbar:

Die stark versiegelte Innenstadt heizt sich an heißen Sommertagen auf. Starkregenereignisse bringen die Kanalisation an ihre Grenzen. Gleichzeitig fehlt bislang ein eigenes Klimamodell für Cottbus, das eine fundierte Grundlage für lokale Anpassungsmaßnahmen schaffen könnte.

Schömberg brachte die Dringlichkeit auf den Punkt:

„Die versiegelte Altstadt wird zur Hitzeinsel, Starkregen bringt die Kanalisation an ihre Grenzen. Für Cottbus gibt es bisher nicht einmal ein eigenes Klimamodell. Was andere Kommunen bereits haben, das ist keine Zukunftsmusik – das ist der nächste Sommer.“

Klimaanpassung ist keine abstrakte Zukunftsaufgabe. Sie betrifft die Gesundheit der Menschen, unsere Wohnungen, öffentliche Plätze, Grünflächen und die Lebensqualität in der gesamten Stadt.

Eine lebenswerte Stadt braucht politische Entscheidungen

Auch Stefanie De Graf, unsere Sachkundige im Ausschuss für Umwelt, Ordnung und Sicherheit, betonte auf der Kundgebung die Bedeutung einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

Als Wissenschaftlerin und Führungskraft einer Forschungseinrichtung in Cottbus erlebt sie die Herausforderungen des Klimawandels sowohl aus fachlicher als auch aus gesellschaftlicher Perspektive.

Sie machte deutlich, dass die Folgen des Klimawandels längst bei uns angekommen sind und gerade in der Lausitz bereits spürbar werden.

Zugleich sieht sie in der nachhaltigen Entwicklung unserer Stadt eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Strukturwandel. Cottbus möchte neue Fachkräfte gewinnen, seine Attraktivität steigern und Menschen davon überzeugen, hier langfristig ihre Heimat zu finden.

Dafür braucht es nicht nur wirtschaftliche Perspektiven, sondern auch eine Stadt, die ihren Bewohner*innen dauerhaft eine hohe Lebensqualität bietet.

„Als Cottbuserin fordere ich, dass meine Stadt auch in der Zukunft einen attraktiven und nachhaltigen Wohn- und Lebensraum bietet.“

– Stefanie De Graf, Sachkundige der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/SUB im Ausschuss für Umwelt, Ordnung und Sicherheit

Unterschiedliche politische Positionen gehören zur Demokratie. Doch irgendwann muss aus der Diskussion auch eine Entscheidung werden.

Christian Schömberg formulierte es so:

„Mir ist klar, dass es dazu unterschiedliche Positionen gibt. Das ist Demokratie. Aber Demokratie heißt am Ende auch Farbe bekennen: abstimmen.“

Unser Appell: Klimaschutzkonzept beschließen!

Als Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/SUB appellieren wir an alle demokratischen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, die Chancen des integrierten Klimaschutzkonzepts zu erkennen und dem Konzept zuzustimmen.

Es geht nicht darum, sämtliche Maßnahmen ohne weitere Diskussion umzusetzen. Es geht darum, die jahrelange Arbeit ernst zu nehmen, der Verwaltung eine klare politische Grundlage zu geben und den nächsten Schritt für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu ermöglichen.

Denn jeder weitere Aufschub kostet Zeit – und die Folgen des Klimawandels warten nicht auf politische Mehrheiten.

Nicht für die Grünen. Nicht für einzelne Verbände. Sondern für unsere Zukunft, für unsere Kinder und für diese Stadt.

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